Therapie nach Schlaganfall

In der Schweiz erleiden jährlich etwa 16‘000 Patienten einen Schlaganfall. Der Hirnschlag wird meist durch einen plötzlichen Verschluss eines hirnversorgenden Gefässes verursacht. Dadurch kommt es zu einer Minderdurchblutung in den betroffenen Hirnregionen. Je nachdem, welche Bereiche von der Blutzufuhr abgeschnitten sind, treten unterschiedliche Funktionsstörungen auf. Typisch sind Halbseitenlähmungen und Halbseitengefühlsstörungen. Infolge unvollständiger Erholung sind etwa 30% der Patienten danach im täglichen Leben auf Hilfe angewiesen und 70% bleiben in ihrer Erwerbstätigkeit eingeschränkt.
Der grösste Teil der Rückbildung von neurologischen Ausfällen geschieht in den ersten 3-6 Monaten. Durch den frühen Beginn von Ergo- und Physiotherapie wird die Anpassungsfähigkeit des Gehirns (therapieinduzierte Neuroplastizität) und damit die Erholung von den neurologischen Ausfällen sowie das Wiedererlangen der Selbstständigkeit massgeblich gefördert.

Symptome

Einen Hirnschlag erkennt man an einer plötzlich auftretenden Schwäche, Lähmung oder Gefühlsstörung, meist nur auf einer Körperseite. Ein typisches Symptom ist auch der plötzliche Verlust der Sprechfähigkeit oder Schwierigkeiten, Gesprochenes zu verstehen.

Ursachen

Ursache eines Schlaganfalls ist meist ein verstopftes Blutgefäss durch Verkalkung der zuführenden Arterien oder ein Blutgerinnsel. Auch eine Blutung nach einem Gefässriss im Gehirn kann einen Schlaganfall verursachen. Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind z. B. Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes, erhöhte Cholesterinwerte.

Ergo- und Physiotherapie in der Frührehabilitation

Ein interprofessioneller rehabilitativer Ansatz gewährleistet eine optimale Beurteilung und Rehabilitation des Patienten. in regelmässigen Abständen wird der Verlauf eines Patienten neu beurteilt und Ziele und Massnahmen der aktuellen Situation angepasst. Die Aufgabe der Physiotherapie ist dabei besonders die Beurteilung der Bewegungskontrolle und Bewegungsfähigkeit im Alltag. Übergeordnetes Ziel ist das Wiedererreichen der Selbstständigkeit mit bestmöglichem Wiedererlernen verlorener Körperfunktionen sowie das Verhindern von Komplikationen wie beispielsweise Lungenentzündung, Schmerzen durch Fehlbelastung oder Verletzung. Mögliche Teilziele:

  • Verbessern der Belüftung der Lungen
  • Fördern der Wachheit über gezieltes Aktivieren und frühes Aufsitzen
  • Verbessern der Wahrnehmung des eigenen Körpers. Eine Integration der betroffenen Seite ins Körperschema ist wichtig, damit das Gehirn diese Seite nicht "vergisst"
  • Verbessern der Orientierung im Raum und des Situationsverständnisses als Voraussetzung für gezieltes Bewegen
  • Erarbeiten der Fähigkeit bestimmte Haltungen wie Sitzen oder Stehen einnehmen zu können und sich ohne Verlust des Gleichgewichtes bewegen zu können
  • Fördern der Bewegungskontrolle und Kraft der betroffenen Körperseite
  • Erarbeiten geeigneter Bewegungsstrategien zur Optimierung der Selbständigkeit in den Aktivitäten des täglichen Lebens
  • Erarbeiten der Gehfähigkeit und Verbessern der allgemeinen Mobilität u. a. durch das gezielte Einsetzen von Hilfsmitteln wie Schuhe, Schienen, Gehhilfen, Rollstuhl
  • Verbessern der allgemeinen Ausdauerleistung durch Training von Herz und Lunge

In der Ergotherapie werden die alltäglichen Handlungen der Patienten beurteilt. Übergeordnetes Ziel ist das Wiedererlernen derselben, z. B. von Körperpflege, Ankleiden und Essen. Vom ersten Tag an werden gezielte Hilfestellungen für die Durchführung dieser Aktivitäten angeboten. Mögliche Teilziele:

  • Fördern der Selbstversorgung
  • Verbesserung von Körperhaltung, Körperbewegung und Koordination der Patienten in Zusammenarbeit mit der Physiotherapie
  • Positive Beeinflussung einer verminderten oder veränderten Körperwahrnehmung durch ein gezieltes Sensibilitätstraining mit verschiedenen Alltagsmaterialien. Dies ist eine Voraussetzung für koordinierte und effiziente Bewegungsabläufe wie z. B. Knöpfe schliessen
  • Fördern kognitiver Leistungen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Planen als Voraussetzung für selbstständiges Handeln
  • Verbessern der Funktionen der betroffenen Hand durch Hilfsmittel. Hilfsmittel werden ausserdem zum Schutz instabiler Gelenke oder zur Erleichterung alltäglicher Aktivitäten eingesetzt

Grundlage der Physiotherapie sind die Prinzipien des motorischen Lernens

Für eine optimale Erholung nach einem Schlaganfall wird ein früher Therapiebeginn und eine möglichst hohe Trainingsintensität empfohlen. Die Übungsaufgaben sollen sinnvoll und bedeutend sein und müssen wiederholt geübt werden. Der Patient soll möglichst aktiv und motiviert am Training teilnehmen und Spass und Erfolg erleben können. Nur was geübt wird hat Chance auf Verbesserung. D. h. soll das Gehen verbessert werden, muss der Patient auch das Gehen üben. Die Anforderungen müssen bei verbesserter Leistungsfähigkeit kontinuierlich gesteigert werden.

Grundlagen der Ergotherapie

Ein früher Therapiebeginn und eine möglichst hohe Trainingsintensität werden in der Literatur empfohlen. Die Patientenorientierung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die Ergotherapie geht davon aus, dass tätig sein ein menschliches Bedürfnis ist und wählt daher für den Patienten bedeutungsvolle Betätigungen für die Therapie.

Weitere Informationen

UniversitätsSpital Zürich, Physiotherapie Ergotherapie
Tel. +41 44 255 55 19


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